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Fachzentren für Harnwegsobstruktionen

z.B. LUTO, Megazystis, Hydronephrose, Megaureter, Urinaszites

Bei Ungeborenen mit erheblichem Urinaufstau beider Nieren und/oder der Blase handelt es sich um einen Notfall mit umgehendem Handlungsbedarf! – Die Erkrankung kann vorgeburtlich innerhalb nur weniger Wochen zum teilweisen oder vollständigen Verlust der Nierenfunktion Ihres Kindes führen. Erkennbar, an einer auch nach vorgeburtlichen Therapie, anhaltend reduzierten oder völlig fehlenden Fruchtwassermenge. Bei über Wochen anhaltendem Fehlen von Fruchtwasser werden häufig auch noch die Lungen des Ungeborenen erheblich in ihrer Entwicklung gestört.

Die Lokalisation des Aufstaus sowie der Ausschluss, bzw. die Erkennung weiterer Fehlbildungen, die Geschlechtsbestimmung und Familienanamnese sind von größter Wichtigkeit, um werdende Eltern umfassend über die Erkrankung und mögliche Verläufe aufzuklären.

Nach Erstdiagnose in einer “normalen” Frauenarztpraxis, kann Ihnen eher selten eine umfassende und sachlich richtige Aufklärung über die Erkrankung gegeben werden. Art und Vorgehensweisen pränataler Therapien sind vielen nur nachgeburtlich arbeitenden Ärzten (Neonatologen, Kindernephrologen, Kinderchirurgen) nicht oder nur wenig bekannt. Daher lassen Sie sich unbedingt an ein spezialisiertes universitäres pränatalmedizinisches Zentrum überweisen.


Wichtig ist, dass bei deutlich vergrößerter Harnblase (> 3cm) ab der 14. Schwangerschaftswoche umgehend eine Entlastung durchgeführt wird. Es ist wichtig, keine Zeit zu verlieren!

Lassen Sie sich nach Erstdiagnose nicht einfach nach Hause schicken und erst nach Wochen wieder einbestellen! – In den meisten Fällen “gibt der Stau sich nicht wieder von alleine!” – Nur selten ist es “zu früh” oder technisch nicht möglich, vorgeburtlich zu therapieren!


Vielfach wird Ihnen vor der 17. Schwangerschaftswoche zunächst nur eine Punktion der Blase Ihre Kindes zur Urindiagnostik angeboten, um die fetale Nierenfunktion einzuschätzen. Diese Diagnostik wird vielerorts auch noch wiederholt, um basierend auf ihren Ergebnissen sowie den Befunden einer häufig mit durchgeführten Erbgutdiagnostik eine vorgeburtliche Therapie zu beginnen oder auch nicht.

Hierbei müssen Sie wissen, dass durch dieses Vorgehen vor allem wertvolle Zeit verstreicht, in der die Nieren Ihres Kindes zunehmend geschädigt werden; dass die Untersuchung des fetalen Urins kaum zuverlässig prognostische Einschätzungen zulassen; dass durch vorherige Punktionen die Bedingungen und somit Erfolgschancen einer effektiven vorgeburtlichen Therapie zum Teil deutlich verschlechtern!

Sollte bei Ihrem ungeborenen Kind eine schwerer Harnstau (Megazystis, LUTO, UUTO, Hydronephrose, Megaureter, Urinaszites) vorliegen, informieren Sie der BFVEK e.V. und seine Paten gerne über geeignete Ansprechpartner in Ihrer Situation!


Das DFZT am Universitätsklinikum Gießen sowie die Abteilung für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Bonn sind erfahrene Kompetenzzentren der minimal-invasiven pränatalen Therapie von Ungeborenen mit Harnwegsobstruktionen. Auch an vielen weiteren Kliniken und Schwerpunktpraxen in Deutschland wird die Erkrankung vorgeburtlich behandelt.

Das DZFT ist insbesondere auf technisch schwierige oder sehr frühe Interventionen ab der 13. Schwangerschaftswoche spezialisiert. Am DZFT werden vorgeburtlich auch Ungeborene mit schon funktionslosen Nieren mit Erfolg behandelt, um lebensbedrohlichen Beeinträchtigungen der Lungenentwicklung durch den Fruchtwassermangel zu verhindern oder umzukehren.

Auf die Entbindungsvorbereitung und nachgeburtliche Versorgung von Neugeborenen mit vorgeburtlich behandelten Nierenerkrankungen hat sich in Deutschland in den letzten Jahren insbesondere das Universitätsklinikum Marburg mit seinen Bereichen Geburtshilfe, Neonatale Intensivmedizin, Kindernephrologie und Kinderchirurgie spezialisiert.